Reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist.
Das Dialektprojekt ToM ist ein Projekt des Medienzentrums Fulda zur Erhaltung der osthessischen Mundart.
Stöbern Sie doch einfach durch die Seite, um mehr zu erfahren.
Das Tonarchiv osthessischer Mundarten können Sie über folgenden Link aufrufen und sich die einzelnen Beiträge anhören:
Tonarchiv osthessischer Mundarten – Zum Aufrufen bitte hier klicken.
Möchten Sie die 40 Wenkersätze in Mundart und/oder auch einen eigenen Mundartbeitrag aufnehmen, einsenden und ins Archiv aufgenommen werden?
Mitmachen – So geht’s
Nun die Videokamera, Tonaufnahmegerät, Smartphone oder Diktiergerät herausgeholt und für eine Sprachaufnahme vorbereiten. Bei Videoaufnahmen muss der/die Sprecher/in nicht im Bild erscheinen, da wir nur den Ton benötigen. Schicken Sie uns Ihre Aufnahmen, wir freuen uns schon auf viele schöne Beiträge.
Und wer selbst kein Platt beherrscht, kann „auf die Pirsch gehen“ in der Familie, bei den Großeltern, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis oder im Verein. Vielleicht findet sich noch ein echtes Mundartoriginal…
Die Aufnahmen können abgegeben / eingereicht werden beim Medienzentrum Fulda, Kreis- und Stadtbildstelle Fulda, Brüder-Grimm-Str. 5, 36037 Fulda oder per Mail an tom@medienzentrum-fulda.de.
Bei Abgabe/Einreichung Ihrer Aufnahmen erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihre Sprachaufnahme(n) im Rahmen des Projekts ToM (Tonarchiv osthessischer Mundarten) ausgewertet, archiviert und auf andere Medien überspielt werden. Auch erklären Sie sich mit einer weiteren Verwendung einverstanden.
Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an das Medienzentrum Fulda.
Wenn Sie die 40 Sätze fertig gesprochen haben, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie individuelle Mundartbeiträge (Gedichte, Lieder, Reime, Sprüche, Verse, Witze, Geschichten, Mundartbeiträge, etc.) aufnehmen und miteinsenden.
Diese 40 Sätze sollen im Dialekt gesprochen werden
Bitte nennen Sie zuerst laut und deutlich Ihren Namen, Ihre Anschrift und aus welchem Ort/Ortsteil ihr gesprochenes Mundartdialekt stammt.
01.) Im Winter fliegen die trockenen Blätter in der Luft herum.
02.) Es hört gleich auf zu schneien, dann wird das Wetter wieder besser.
03.) Tu Kohlen in den Ofen, dass die Milch bald an zu kochen fängt.
04.) Der gute alte Mann ist mit dem Pferd durchs Eis gebrochen und in das kalte Wasser gefallen.
05.) Er ist vor vier oder sechs Wochen gestorben.
06.) Das Feuer war zu stark, die Kuchen sind ja unten ganz schwarz gebrannt.
07.) Er isst die Eier immer ohne Salz und Pfeffer.
08.) Die Füße tun mir sehr weh, ich glaube, ich habe sie durchgelaufen.
09.) Ich bin bei der Frau gewesen und habe es ihr gesagt, und sie sagte, sie wollte es auch ihrer Tochter sagen.
10.) Ich will es auch nicht mehr wieder tun!
11.) Ich schlage dich gleich mit dem Kochlöffel um die Ohren, du Affe!
12.) Wo gehst du hin, sollen wir mit dir gehen?
13.) Es sind schlechte Zeiten!
14.) Mein liebes Kind, bleib hier unten stehen, die bösen Gänse beißen dich tot.
15.) Du hast heute am meisten gelernt und bist artig gewesen, du darfst früher nach Hause gehen als die anderen.
16.) Du bist noch nicht groß genug, um eine Flasche Wein auszutrinken, du musst erst noch etwas größer werden.
17.) Geh, sei so gut und sag deiner Schwester, sie sollte die Kleider für eure Mutter fertig nähen und mit der Bürste rein machen.
18.) Hättest du ihn gekannt! Dann wäre es anders gekommen, und es täte besser um ihn stehen.
19.) Wer hat mir meinen Korb mit Fleisch gestohlen?
20.) Er tat so, als hätten sie ihn zum Dreschen bestellt; sie haben es aber selbst getan.
21.) Wem hat er die neue Geschichte erzählt?
22.) Man muss laut schreien, sonst versteht er uns nicht.
23.) Wir sind müde und haben Durst.
24.) Als wir gestern Abend zurückkamen, da lagen die andern schon zu Bett und waren fest am Schlafen.
25.) Der Schnee ist diese Nacht bei uns liegen geblieben, aber heute Morgen ist er geschmolzen.
26.) Hinter unserem Haus stehen drei schöne Apfelbäumchen mit roten Äpfelchen.
27.) Könnt ihr nicht noch einen Augenblick auf uns warten, dann gehen wir mit euch.
28.) Ihr dürft nicht solche Kindereien treiben.
29.) Unsere Berge sind nicht sehr hoch, die euren sind viel höher.
30.) Wieviel Pfund Wurst und wieviel Brot wollt ihr haben?
31.) Ich verstehe euch nicht, ihr müsst ein bisschen lauter sprechen.
32.) Habt ihr kein Stückchen weiße Seife für mich auf meinem Tische gefunden?
33.) Sein Bruder will sich zwei schöne neue Häuser in eurem Garten bauen.
34.) Das Wort kam ihm vom Herzen!
35.) Das war recht von ihnen!
36.) Was sitzen da für Vögelchen oben auf dem Mäuerchen?
37.) Die Bauern hatten fünf Ochsen und neun Kühe und zwölf Schäfchen vor das Dorf gebracht, die wollten sie verkaufen.
38.) Die Leute sind heute alle draußen auf dem Felde und mähen.
39.) Geh nur, der braune Hund tut dir nichts.
40.) Ich bin mit den Leuten da hinten über die Wiese ins Korn gefahren.
Wenn Sie die 40 Sätze fertig gesprochen haben, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie individuelle Mundartbeiträge (Gedichte, Lieder, Reime, Sprüche, Verse, Witze, Geschichten, Mundartbeiträge, etc.) aufnehmen und miteinsenden.
Was ist ToM?
Reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist.
ToM steht für die Abkürzung „Tonarchiv osthessischer Mundarten“.
Dialekt ist Heimatgefühl
Für Goethe war es das „eigentliche Element, aus dem die Seele ihren Atem schöpft“, doch für viele ist sie nur die Muttersprache, die man benutzt, wenn man spricht wie einem der Schnabel gewachsen ist. Die Rede ist von der Mundart, vom Dialekt, vom Platt.
Obwohl das Interesse an der Mundart groß ist, wie die unzähligen Theateraufführungen in Platt, die schönen Dialektstücke von heimischen Musikgruppen oder die Aktionen vieler Heimatvereine zeigen, gibt es doch leider immer weniger Menschen, die in unserer Region noch Platt sprechen. Glaubt man einigen Mundartforschern, dann sterben die alten Dialekte sogar bald aus…
Projekt
Daher hat der Landkreis Fulda zusammen mit der Sparkasse Fulda und der Fuldaer Zeitung das Projekt ToM ins Leben gerufen: Das Tonarchiv osthessischer Mundarten. Die Menschen im Landkreis Fulda werden gebeten, mit Hilfe von Video- oder Tonbandkassette ihre Mundart aufzuzeichnen und so für die Nachwelt zu konservieren.
Es sollen 40 Sätze auf Platt nachgesprochen werden. Außerdem können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer frei gestaltete Beiträge in Mundart einreichen, zum Beispiel Gedichte, Geschichten, Anekdoten oder Lieder auf Platt, ganz wie es beliebt.
Für die Forschung
Was soll mit den Aufnahmen im Tonarchiv passieren? Zum einen sollen sie der wissenschaftlichen Forschung zugänglich gemacht werden, zum anderen werden die Dokumente für schulische Zwecke und die Tourismuswerbung eingesetzt. Letztendlich ist das Tonarchiv aber ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Erbes für künftige Generationen.
Zur Geschichte von ToM
Die Idee zu Tonarchiv osthessischer Mundarten (ToM) hatte der Fuldaer Sprachwissenschaftler Dr. Stefan Arend aus Fulda, der sie dem damaligen Landrat Fritz Kramer und dem damaligen Ersten Kreisbeigeordneten Gerhard Möller vortrug. Mit Unterstützung der Sparkassenstiftung Fulda und der Fuldaer Zeitung startete der Kreisausschuss des Landkreises Fulda im April 2002 die Aktion zur Einsammlung von Mundartbeiträgen.
Die Auftaktveranstaltung im April 2003 wurde im Offenen Fernsehkanal Fulda gesendet. Den Verlauf der Aktion begleiteten Berichte und Interviews in der Fuldaer Zeitung, Radio FFH, Hessisches Fernsehen, HR 4 Radio Osthessen und Bayerischer Rundfunk strahlten ebenfalls mehrfach Beiträge über ToM aus. Die Sprachwissenschaftlerin Julia Maria Weber aus Marburg verfasste für ToM eine wissenschaftliche Stellungnahme.
Unter den mehr als 400 abgegebenen Tonaufnahmen waren auch Beiträge von ehemaligen Einwohnern des Landkreises, die jetzt in anderen Bundesländern wohnen. Den weitesten Weg legte ein Beitrag der gebürtigen Fliednerin Elisabeth Ginsberg zurück, die jetzt in Maryland / USA lebt.
Es trafen auch zahlreiche Beiträge aus den benachbarten Landkreisen ein, die ein einem eigenen Bereich archiviert wurden.
Die Gesamtleitung des Projekts hatten der damalige Pressereferent des Landkreises Fulda, Stefan Waldmann und damaliger Bildstellenleiter/Medienzentrumsleiter Rudolf-P. Karpe, Kreis und Stadtbildstelle Fulda Medienzentrum Fulda. Das Team digitalisierte und archivierte die Aufnahmen für den weltweiten Abruf im Internet unter www.medienzentrum-fulda.de
ToM – Zwischen Mundartrenaissance und neuem Selbstbewusstsein
Was musste der Dialekt nicht alles ertragen? Er wurde beschimpft als „falsches Deutsch“, als „schlechtes Deutsch“. Man sagte: „So spricht man nicht!“. Mundart war die „Sprache der Ungebildeten“, die „Sprache der Bauern, der Landbevölkerung“. Dialekt sollte ausgerottet werden. Alles sollte nicht nur gleich beschrieben werden, sondern auch gleich lauten und klingen. „Hüter der deutschen Sprache“ gingen mit erhobenem Zeigefinger ins Feld – gegen diese „verwirkte, unreine, schreckliche“ Sprache. Wie viele arme Schülerzungen wurden geknechtet und sollten im Zaum gehalten werden!
Fast wäre dieses Ansinnen zur Verdrängung der deutschen Dialekte gelungen; fast wäre es gelungen, den Mundarten quasi den Garaus zu machen. Denn seit 1945 ist die Mundartkompetenz in deutschen Landen dramatisch, mancherorts sogar dramatisch zurückgegangen. Mundart hatte vielerorts keine Chance mehr.
Doch dann regte sich Widerstand gegen den Verlust der Mundarten, begann langsam wieder das Interesse an dieser Sprache des Volkes (im positiven Sinne), was man durchaus auch als Mundartrenaissance bezeichnen kann. Denn die Menschen spürten es, erkannten und wussten es – mit jedem Jahr, in dem die Welt kleiner wurde und wir Menschen scheinbar immer globaler: Mundart ist ein wesentliches Stück Heimat, ist Identität, und bringt zum Ausdruck: „Hier komme ich her, hier sind meine Wurzeln!“ Mit dieser Erkenntnis mit diesem wissen hatte Mundart auch in unserem Breiten wieder eine Chance. Gut so! Denn es war „fünf vor zwölf“.
Was ist eigentlich Mundart?
Die Brüder Grimm haben dazu einmal formuliert: „Der Bär brummt immer nach der Höhle, in der er geboren wurde“. Rechten hatten sie damit – bis heute. Mundart, Dialekt, Platt sind die gesprochenen Varianten unseres Schriftdeutschen – und genau diese Variationen hat ToM, unser Tonarchiv osthessischer Mundarten, aufgenommen, gesammelt, dokumentiert und so für die Nachwelt konserviert.
ToM wehrt sich damit gegen das Vergessen. Mit ToM wollen wir einerseits retten, was noch zu retten ist, aber auch gleichzeitig deutlich machen, dass Mundart es wert ist, dass man sich mit ihr beschäftigt und ihr damit eine Chance gibt.
Bei unserem Wettbewerb gab es so zu sagen eine Pflicht und eine Kür. Bei der Pflicht musste man 40 standardisierte Sätze übersetzen, so wie sie uns die Wissenschaft seit über 100 Jahren vorschreibt, damit man Sprachen miteinander vergleichen kann. Bei der Kür waren keine Grenzen gesetzt, da konnte man sich mit Gedichten, Erzählungen, Liedern in Mundart richtig austoben
Nun können wir mit den vorliegenden Sprachbeiträgen ein erstes Ergebnis von ToM präsentieren: Eine Auswahl der Beiträge, die uns in den vergangenen Monaten eingereicht wurden – zur Freude all derer, die sich für den heimischen Dialekt interessieren, aber auch für die Nachwelt, quasi als einen Sprachschatz des Fuldaer Landes und der osthessischen Region.
Dr. Stefan Arend
Presseberichte zu ToM
Veröffentlichungen in Fuldaer Zeitung
Das Dialektprojekt wurde bereits des Öfteren in der Fuldaer Zeitung zur Sprache gebracht. Die entsprechenden Artikel finden Sie auf dieser Seite.
400 Mundart-Aufnahmen der Wissenschaft übergeben
FULDA, 19,08.08
Professor Joachim Herrgen, stellvertretende Direktor des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas, hat am Dienstag in Fulda eine Sammlung von Mundart-Tonaufnahmen entgegengenommen.
Der alteingesessene Rhöner kommt von einer Auslandsreise oder einem Ausflug in deutsche Gefilde zurück. Zum ersten Mal seit Tagen, Wochen oder Monaten hört er die lang gezogenen Vokale und grammatikalischen Konstruktionen, die jeden Deutschlehrer den Rohrstock herbeisehnen lassen. Er selbst empfindet es jedoch als eine Wohltat für Ohren und Herz, zeugt doch der Dialekt davon, dass er wieder zuhause ist.
„Dialekt markiert Identität“, sagt Professor Joachim Herrgen. Der stellvertretende Direktor des Forschungszentrums Deutscher Sprachatlas ist am Dienstag nach Fulda gekommen, um im Magistratssitzungssaal eine Sammlung von Mundart-Tonaufnahmen entgegenzunehmen.
Diese Sammlung von 400 Mundart-Beiträgen der Bürger des gesamten Landkreises entstand durch das Projekt „Tom“ (Tonarchiv osthessischer Mundarten), das 2003 ins Leben wurde. „Es war ein launiger Abend“, erinnerte der Sprachwissenschaftler und ehemalige Mediana-Geschäftsführer Dr. Stefan Arend an die Geburtsstunde der Idee zu dem Projekt.
Gemeinsam mit Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU), der damals noch Erster Kreisbeigeordneter war, saß er nach einem Mundart-Theaterabend in Mackenzell bei Hünfeld. Der bekennende Rhöner Möller, als den er sich selbst bezeichnet, und der Niederhesse Arend unterhielten sich über Platt. Aus der pessimistischen Prognose Arends, dass der Dialekt aussterbe, entstand laut Möller die Idee, „die Ist-Zeit festzuhalten“. Die Männer fanden in Rudolf Karpe, Leiter des Medienzentrums Fulda, einen Partner, der die technische Umsetzung der Idee unterstützte. Weitere Hilfe kam von der Sparkassenstiftung und der Fuldaer Zeitung. Das Projekt „Tom“ konnte anlaufen. Arends Frage, wie es um den alltäglichen Gebrauch des Dialektes in Osthessen stehe, konnte nachgegangen werden.
„Tom“ spricht Dialekt
Mit dem Wettbewerb „Mir schwatze Platt“ riefen die Initiatoren die Menschen des Landkreises Fulda auf, Tonaufnahmen einzusenden, auf denen sie Platt sprechen. Zum einen sollten es, wie Stefan Arend erzählt, für den populären Teil Lieder, Gedichte oder Geschichten sein. Der wissenschaftliche Aspekt des Projektes wurde abgedeckt mit der Übersetzung der 40 so genannten Wenkersätze ins Platt. Diese Sätze, die die Mundartsprecher „einrhönen sollten, gehen zurück auf den Bibliothekar Georg Wenker, der 1876 damit begann, mit den Übersetzungen seiner Sätze Ortsdialekte zu sammeln.
„Im Weender flian die dürre Bleeder durch die Luft eröm – Im Winter fliegen die dürren Blätter durch die Luft herum.“ Das ist einer der Wenker-Sätze in allerschönstem Rhönisch, das nach der gestrigen Übergabe der digitalisierten Aufnahmen auf CD an Professor Herrgen und den wissenschaftlichen Mitarbeiter Christoph Purschke die Sammlung von Orts- und Regionaldialekten des Deutschen Sprachatlas bereichern wird.
„Es ist eine sehr seltene Sache, dass ein ganzer Landkreis sammelt“, sagte Herrgen. Die Aufnahmen aus der Rhön werden nun in den digitalen Wenkeratlas im Internet aufgenommen, der auch für sprachwissenschaftliche Laien zugänglich ist. Herrgen konnte zudem noch Arends Befürchtung vom Dialektsterben entschärfen: „Die Prognose gibt es schon seit 1754 alle 50 Jahre – Totgesagte haben ein langes Leben.“
Von Eveline Burkhart
Das Finale der „ToManer“
Künzell (zi), 23.04.04
Abschluss, aber kein Ende: Das Projekt „Tonarchiv osthessischer Mundarten“ (ToM) fand zwar gestern Abend mit einer stimmungsvollen Veranstaltung in Künzells Gemeindezentrum einen würdigen Schlusspunkt, doch auch über die elf Monate hinaus, die das Vorhaben aktiv betrieben wurde, wird es weiterhin Bestand haben.
„Es bleibt eine Daueraufgabe, die gesprochene Mundart zu erfassen und zu dokumentieren“, ließ Schirmherr Landrat Fritz Kramer in seiner Ansprache keinen Zweifel daran, dass das Fördern des Dialektes im Landkreis auch über das offizielle Ende der Aktion hohe Wertschätzung genießt.
Kramer würdigte nochmals den Sprachwissenschaftler Dr. Stefan Arend, auf dessen Idee das Projekt ToM zurückgeht, aber auch den damaligen Ersten Kreisbeigeordneten und heutigen Fuldaer Oberbürgermeister Gerhard Möller, der das Vorhaben für den Kreis umsetzte. Der Landrat würdigte auch die Förderung des Mundart-Projektes durch die Sparkassen-Kulturstiftung sowie die Unterstützung durch die Fuldaer Zeitung. An Stelle des erkrankten Oberbürgermeisters erläuterte der Leiter der Stadt- und Kreisbildstelle, Rudolf Karpe, Einzelheiten des Projektes. Bei Karpe und seinem Team waren die insgesamt rund 450 Beiträge zusammengelaufen und dann für ToM, aber auch für die Präsentation im Internet (www.medienzentrum-fulda.de) aufbereitet worden.
Auch wenn die Sprachwissenschaftler sich besonders über die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Landkreis und angrenzenden Gebieten gesprochenen Mustersätze freuen werden: Für die Auswertung in Fulda sind die als „Dreingabe“ aufgenommen Gedichte, Lieder und Anekdoten ein besonderer Schatz.
Alle ToM-Aktiven waren mit Eintrittskarten für den Abschlussabend in Künzell belohnt worden, der nicht zuletzt aus ihren Reihen bestritten wurde. Auch wenn der umjubelte Auftritt von „quatsch m.i.t. sosse“ zweifelsohne der Höhepunkt des Abends war – die Beiträge der „ToManer“ (und der ToManerinnen) unterhielten die rund 500 Zuschauer bestens. Das Lied „Rhöö-Gefööle“, gedichtet und gesetzt vom im Frankfurter „Exil“ lebenden Lehrer Walter Herchenhan aus Tann, eröffnete den Abend. Dem Frankfurter Chor Vokal Spektral zuzuhören, war musikalisch und „dialektisch“ ein Vergnügen. Moderator Klaus-Dieter Eckstein präsentierte dem Publikum eine große Zahl origineller Beiträge, die nicht nur die verschiedenen Gattungen widerspiegelten, sondern auch die unterschiedlichen Gegenden des Landkreises mit ihren spezifischen Dialektfärbungen hörbar machten. Da brachten unter anderem die „Feschen Knaben“ aus Eichenzell originelle Lieder zu Gehör, Brauchtum und ländliches Leben wurden in diversen Berichten zum Leben erweckt. Reinhard Haas aus Dipperz bewies, dass auch so moderne Sachen wie der „Verzehr“ einer Scheckkarte durch den Bankautomaten durchaus im Platt zu berichten sind, und wer immer schon wissen wollte, was „ebbes“ ist, war bei Manfred Schreiner aus „Gehannsberch“ gut aufgehoben. Besonders herzlichen Applaus bekamen die Schüler Andreas Kircher aus „Grossemich“ und Karl-Josef Höfer aus „Eiterfäald“, die mit dem Sketch „Eierkauf“ begeisterten.
Gute Nachricht für alle, die Zuhause hören wollen, was bei Tom an Originellem zusammengekommen ist: Eine gut einstündige Auswahl von Liedern und Texten wurde unter Mitwirkung von FFH-Moderator Dirk Hardegen auf CD gebrannt. […]
Aus dem Nachlass eines Lehrers
Fulda (zi)
Gedichte in Mundart, zur Unterhaltung vorgetragen – das gibt es alljährlich spätestens in der „fünften Jahreszeit“. Doch dergleichen ist beileibe keine Erfindung der letzten Jahre. Das belegt das nebenstehende Werk, das der in Petersberg lebende pensionierten Deutsch- und Geschichtslehrer Günther Ickenstein als einen besonderen Beitrag zum Mundartprojekt ToM der FZ-Redaktion zur Verfügung stellte.
Der Text fand sich im Nachlass von Ickensteins Schwiegervater, des Lehrers Alois Schreiner, der zuletzt in Mittelkalbach tätig war.
Das vielzeilige Werk existiert in einer handschriftlichen Version in deutscher Schrift und wurde – wohl von Schreiner – mit etlichen erklärenden Randbemerkungen versehen.
Ob das Opus aus Schreiners Mittelkalbacher Zeit stammt, ist nicht sicher. Möglicherweise erhielt er es bereits in Niederklein, einem der katholischen Orte im Umfeld von Amöneburg. Dort war Schreiner zuvor Lehrer gewesen, und hatte die Tochter des Lehrers Noll geheiratet. Dessen Frau wiederum stammte aus dem Fuldaer Land, nämlich aus Finkenhain, das heute zu Dipperz gehört. So kann das Gedicht auch auf diesem Wege in Schreiners Besitz gekommen sein.
Wer die Verse geschaffen hat, ist nicht bekannt. Doch ein wohl von Schreiner stammender „Anhang“ des Textes verrät zumindest etwas über dessen Herkunft: „Dieses Gedicht ist von einer Schwester aus dem Mutterhaus 1905 gedichtet auf den erschreckenden Dombrand bei dem Bonifatiusjubiläum 1905.“ Weiter geht es mit ein paar „Regieanweisungen“: „Sie legt es einer Rhönbäuerin in den Mund. Die Vortragende muss sich etwas behäbig, am besten in Rhöntracht – dicker Rock, bunte Schürze, buntes Halstuch, Kopftuch, der große Bauernschirm und das altmodische Henkelkörbchen stehen sehr gut – kleiden. Die Vortragende muss sehr lebhaft, aber doch behäbig vortragen. Ich habe sie immer mit aufgespanntem Schirm hereinkommen lassen. Nachdem sich die Bäuerin überall umgeguckt hat, macht sie den Schirm zu, knickst linkisch und beginnt.
Hier bei uns hat es immer gut gefallen. Man muss nachher noch etwas von dem Dombrand erklären“, schließt Schreiner. Das sei hier getan: Die dramatische Nacht war keine Erfindung. Erwin Sturm, der historischen Wahrheit verpflichteter Kenner der fuldischen Baugeschichte, schreibt in seinem Buch „Bau- und Kunstdenkmale der Stadt Fulda“ nüchtern und knapp: „Vom 4. bis zum 11. 6. wird das 1150 Jubiläum des Todes des hl. Bonifatius gefeiert. in der Nacht zum 5. Juni brennt nach einem Feuerwerk der rechte Domturm aus, wobei die Osanna- und die Bonifatiusglocke vernichtet werden.“
Warum die Feierlichkeiten zum großen Bonifatiusfest damals mit einem Jahr Verspätung stattfanden, bleibt unklar, denn das Todesjahr des „Apostels der Deutschen“ ist, darüber sind die Historiker sich einig, 754. Warum auch immer: Im neuen Jahrtausend wird der Gedenktag jedenfalls zur rechten Zeit begangenen: 2004 wird im Zeichen dieses Festes stehen.
Ein Beitrag aus der Fuldaer Zeitung
vom 26. August 2003
Schreckensmomente: Als der Dom in Flammen stand
No well ich Eich nur korz verzehl,
Be mersch dä Summer in Foll gefehl.
Dos war do en Grom mit dem Bonifatiusfäst,
Des mersch no au kein Roh me lässt (loß).
Dahei hatte mer erscht en tüchtige Kaffee getronke
On do de goldene Medalle angehonke.
Noch fuhrn mer noch Foll mit de Iseboh,
Minnerlattig denk ich do noch dro.
Am Bahnhof war dersch aber so voll,
Dass uns arme Bauerslit jeder Städter scholl.
Dessetwegen war ich au allei gewallt
On mocht wo gleich beim erschte Kelle halt.
Där hatt äwer so kümmele Schtiewel o,
Do dat ich, der hl. Bonifatius war äwer e strammer Moh.
De annere lefer äwer all vorbei,
Se morkt ich, es mekt an anner gesei.
On hort, daß där nur Friedrich hieß
On de Freme he ave nur begriß.
So macht ich mich awer trabes nach dem Dom,
Doß ich noch mit de erschte hikom.
Die Stroß dohi war der be en Wald
Mit grene on bontige Borde bestalt.
Im Dom, do war der en wahrliche Stad,
Rote Virhäng mit glotzgale Borde benaht.
On Lichter, on Blume, on Kärze, on Schtreiß,
Doß ich dersch gar net me all weiß.
On gesonge honse, doß mersch net verschton,
Es broll sich alles einer den annere ohn.
Beim Amt, do holfe wohl fufzig Herrn,
De dächte, dem Ewerschte wirsch go schwer wohl wern,
Drem spronge se alles annem rem
On raggte, on zoggte, där hatts wahrlich schlemm.
Mit siedene Mäntel wannere au dabei
On wisse, on growe, von jeder Sort drei.
Die vordere hotte sich annerscht verbotzt
On beim Bischof off der Schtohl gesotzt.
Nach dem Amt hann ich mich nur geknurt
On mit Meh durch die himmelfille Mensche gebuhrt.
Doß war der e Gedruck on en Durchenanner
Bei beim Tormbau zo Babel kant keines es anner.
Des Mettoks sollt no der Festzug sei,
Do warn ich der naterlich au debei.
Ich hott mich do nob am Growe gemoicht
On well der Barmherzige (Mutterhaus) ihr Huis betraicht.
De hatte äwer alles so schea verbotzt
On de hl. Bonifatius off de Blatz gesotzt.
De Musik hoitt ich sehr von fern,
Do bleb ich be gebannt am Flecke sten.
Do war der e Getrommel on e Gepiff,
Ich hort, doß ein: „Gat Achtung!“ riff.
Vorneweck, do rotte se off Gill,
ze Foß kome äwer noch himmelfill.
On all mit ihrer schenne Foh,
De troke drei Källe immer vorn dro.
Off aimo war dersch, als war ich im Himmel,
Do kom der so e heilig Gewimmel.
Ich doicht gar nett, daß so ville Bischof gäb
Mit ihre siedene Mäntel on goldene Stäb.
Off dem hoite Pfloster hon se der äwer marschiert,
Drom wordese immer von zwee geführt.
Dem hl. Bonifatius se Kop war a dabei
On noch zwee annere, es wannere drei.
De troke so allemo offener Ben (Tragbahre),
Luter gritzgrowe Herrn.
Des Abends wajn ich ewenk bei minner Bos
On be ich do bai er Schol Kaffee soß,
War der off eimo e Gedöd on e Geliet,
Do frägt ich gleich, boß doß bediet.
Se mache e Feierwärk am Dom
On lauter so Schporanze-Grom.
Doß sollt na e k
Ein Beitrag aus der Fuldaer Zeitung
vom 26. August 2003
